Reinhard Zimmermann, ‘Zwingender Angehörigenschutz im Erbrecht – Entwicklungslinien jenseits der westeuropäischen Kodifikationen (Mandatory Family Protection in the Law of Succession – Beyond the Western European Codifications)’

ZUSAMMENFASSUNG
Im Anschluss an einen früheren Beitrag über die Entwicklung des Pflichtteils- oder Noterbenrechts wird hier die Entwicklung des zwingenden Angehörigenschutzes für Rechtsordnungen jenseits der westeuropäischen Kodifikationen verfolgt: in den postsozialistischen Ländern Zentral- und Osteuropas, den nordischen Staaten sowie den süd- und zentralamerikanischen Jurisdiktionen, und schließlich in den Ländern ohne Zivilrechtskodifikation, also dem englischen Recht und seinen Tochterrechten. Es bietet sich ein buntes Bild von unterschiedlichen Lösungsansätzen: insbesondere solchen, die mit fixen Anteilen für Abkömmlinge und den überlebenden Ehegatten operieren, die einen bedarfsabhängigen Quotenpflichtteil anerkennen, die sich nur am Bedarf orientieren, oder die die auszuwerfende Summe in das Ermessen des Gerichts stellen. Insgesamt bestätigt sich eine Beobachtung aus dem früheren Beitrag: die Tendenz zu einer Flexibilisierung in Jurisdiktionen, die traditionell mit festen Quoten arbeiten. Die family provision neuseeländischer Provenienz, die eine extreme Flexibilität gewährleistet, bietet jedoch kein nachahmenswertes Modell. Damit fragt sich, ob nicht das konkrete Unterhaltsbedürfnis einen geeigneten Maßstab bildet, um Rechtssicherheit und Einzelfallgerechtigkeit zu einem Ausgleich zu bringen.

Zimmermann, Reinhard, Zwingender Angehörigenschutz im Erbrecht – Entwicklungslinien jenseits der westeuropäischen Kodifikationen (Mandatory Family Protection in the Law of Succession – Beyond the Western European Codifications). Rabel Journal of Comparative and International Private Law (RabelsZ), volume 85, no 1, pp. 1-75, January 2021, DOI: 10.1628/rabelsz-2020-0092, Max Planck Private Law Research Paper No 21/1.

First posted 2021-02-03 13:40:10

Leave a Reply